Stress in Zahlen

Aktuelle Studien belegen einen rasanten Anstieg stressbedingter Erkrankungen in europäischen Ländern. Laut einer 2011 von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz durchgeführten Studie sind mehr als ein Viertel (28 %) der Arbeitnehmer in der EU von arbeitsbedingtem Stress betroffen. Im Zeitraum von 1999 bis 2010 ist laut einer AOK-Studie aus dem Jahr 2010 die Anzahl von Fehltagen aufgrund psychischer Erkrankungen um 80 % gestiegen, wobei vor allem Frauen betroffen sind. Was sind die Ursachen?

 

Stressbedingte Erkrankungen: Nur ein Modethema?

Die Diagnose „Burnout-Syndrom“ ist unter Fachleuten heftig umstritten. Während die einen im Burnout ein neuartiges Krankheitsbild von nahezu epidemischer Verbreitung sehen, halten die anderen Burnout für eine willkürliche Zusammenstellung der Symptome verschiedener Störungen. Chronisches Erschöpfungssyndrom, Depression, Suchtverhalten, Infektanfälligkeit und Suizidalität – einige der typischen Erscheinungsformen des Burnout-Syndroms – ließen sich, so die Kritiker, durchaus als voneinander abgegrenzte Störungsbilder betrachten, die einer Behandlung zugänglich seien.

Dem halten die Befürworter der Diagnose „Burnout-Syndrom“ entgegen, dass sich typische Verlaufsformen bestimmen lassen, die in der klinischen Praxis immer häufiger von Bedeutung sind und dass klar erkennbare Konstellationen in Beruf, Familie und Privatleben die Entstehung dieser komplexen Störung begünstigen.

 

Anzeichen für Anstieg stressbedingter Erkrankungen

Die beiden eingangs genannten Studien zeichnen ein aussagekräftiges Bild: Laut der AOK-Studie, die auf der Grundlage der Befragung von 9,7 Millionen Versicherten erarbeitet wurde, ist die Zahl der Burnout-Fehltage seit 2004 auf fast das Neunfache angestiegen. 1,8 Millionen Fehltage können derzeit auf die Diagnose „Burnout-Syndrom“ zurückgeführt werden.

Von diesem Anstieg sind vor allem Frauen mittleren Alters betroffen, die mehr als doppelt so oft wie ihre männlichen Kollegen Fehlzeiten aufgrund eines Burnout-Syndroms verzeichnen. Insbesondere in erzieherischen, pflegerischen und sozialen Berufsgruppen ist der Anstieg besonders hoch und wird oft mit einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und zunehmendem Zeit- und Leistungsdruck in Verbindung gebracht.

 

Mehr Stress am Arbeitsplatz

Dass dieser rasante Anstieg allein auf das Diagnoseverhalten der Ärzte zurückzuführen ist, scheint unwahrscheinlich: Einer der Faktoren, die die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz als Hauptursache für arbeitsbedingten Stress betrachtet – die psychische Überforderung der Arbeitnehmer – wird von einer Mehrzahl der Befragten bestätigt. Der Anstieg der Stresserkrankungen entsteht demnach durch die zunehmende Häufigkeit und Intensität Stress auslösender Faktoren, unter denen im vergangenen Jahrzehnt auch die Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes, zunehmender Konkurrenzdruck und unsichere Zukunftsperspektiven eine immer klarer erkennbare Rolle spielen.

Waren es laut einer FOCUS-Umfrage im Jahr 2002 noch 17 % der Befragten, die Angst vor Arbeitslosigkeit als Stressursache nannten, so waren es 2005 bereits 28 Prozent. Der Anteil lag bei den Jugendlichen laut Shell-Jugendstudie 2006 sogar noch weitaus höher, nämlich bei 69 %.

 

Stressbedingte Erkrankungen: Ursachen sind bekannt

Es ist auffällig, dass der „Burnout-Boom“ mit krisenhaften Entwicklungen an den Arbeits- und Finanzmärkten einherging. Dem historischen Tiefstand der Krankschreibungen in Deutschland im Jahr 2009 steht im gleichen Jahr eine Rekordzahl von Krankmeldungen wegen psychischer Erkrankungen gegenüber, wie der Fehlzeiten-Report der AOK belegt.

Laut einer ebenfalls 2009 erhobenen Studie der Techniker-Krankenkasse geben 80 % der in Deutschland Befragten an, unter Stress zu leiden – deutlich über dem EU-Durchschnitt und quer durch alle Altersgruppen und sozialen Schichten. Bestätigt wird dies durch eine Studie zur Arbeitszufriedenheit im europäischen Vergleich, die 2011 vom Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen veröffentlicht wurde: hier werden wachsende Unsicherheit, Arbeitsverdichtung und geringe Lohnzuwächse als Ursachen für eine sich seit 1980 kontinuierlich verschlechternde Arbeitszufriedenheit benannt, die weit unter dem europäischen Durchschnitt liegt.

 








































 

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